Herzdorf · Gefühle

Elli

Liebe

„Setz dich kurz. Ich hab noch Brot da.“

Wer ist Frau Elli?

Elli spricht selten laut. Aber wenn sie die Hand auf den Tisch legt, hören alle zu.

Elli merkt, wer zu wenig gegessen hat, und schiebt ihm wortlos den Brotkorb näher. Sie stellt eine zweite Decke bereit, bevor jemand merkt, dass ihm kalt ist. Beim Essen stehen plötzlich mehr Stühle am Tisch, als vorher da waren.

Elli

Elli trägt ein schlichtes Leinenkleid in hellem Naturton, das beim Gehen leise „schusch" macht. Die Taschen sind tief, wirklich tief. Darin: glatte Steine vom Fluss, getrocknete Blüten, winzige Briefe, sorgfältig gefaltet mit weichen Kanten.

Ihr Haar ist silberbraun mit warmen Strähnen, meist locker hochgesteckt. Eine Haarspange löst sich immer – und dann hängt eine Strähne weich an ihrer Wange.

Wenn jemand sich entschuldigen will, bevor er überhaupt verstanden hat, was passiert ist, sagt sie nur: „Komm." Dann gibt es Suppe.

Oft steht schon Tee auf dem Tisch, bevor jemand etwas gesagt hat. Oder sie zieht einfach einen glatten Stein aus der Tasche und legt ihn in die Hand von jemandem, der gerade nicht weiß, wohin mit sich.

Bei Elli bedeutet Liebe nicht, alles zu lösen

Sondern: mit jemandem am Tisch sitzen, bis der Tee kalt wird.

Das Herzhaus

Das Haus auf dem Herzplatz riecht nach Zimtschnecken, Rosen und frisch gebackenem Brot.

Die Tür steht immer offen. Von den Fenstern aus sieht man fast jedes andere Haus im Dorf – und das Licht brennt auch noch, wenn alle anderen schon schlafen.

Im Herzhaus fragt selten jemand, warum man so lange nichts gesagt hat. Drinnen steht ein großer Tisch, an dem immer Platz ist – wirklich immer. Der Tisch trägt Kratzer, Wachsflecken, kleine Kerben, und jeder davon fühlt sich an wie eine Geschichte.

Im Garten wachsen Rosen am Zaun, dazwischen duften Kräuterbeete: Salbei, Thymian, ein bisschen Minze, die man im Vorbeigehen streift.

Vor der Tür steht eine breite Holzbank mit einem Kissen und einer Decke, die man auch benutzen darf, ohne zu fragen. Elli sitzt oft auf der Bank vor der Tür, und die kleine Elfe Sæli tanzt über die Blüten im Kräuterbeet – so fein, dass man sie eher bemerkt als sieht.

Elli Haus

Vielleicht möchtest du kurz hereinkommen

Manche Räume sind warm. Manche helfen beim Ankommen. Manche möchten einfach nur da sein.

Augnablik

Manchmal legt Elli nur die Handfläche auf die Tischplatte. Danach spricht meistens erst einmal niemand.

Sæli schwebt dicht dabei, ihre Flügel glitzern im Kerzenlicht. Ein kaum hörbares Klingen – als würde jemand einen winzigen Löffel gegen Glas tippen.

Elli sagt nichts. Das reicht.

Elfe Sæli

Zart wie ein Wassertropfen – so fein, dass man sie eher bemerkt als sieht.

Elfe Saeli

Sæli landet gern am Rand der Teetasse, auf dem warmen Brotlaib oder auf Ellis Schulter, wenn Elli gerade still ist.

Wenn jemand weint, schwebt sie nah über den Händen.

Sæli verschwindet meistens, sobald man direkt nach ihr schaut. Nur manchmal bleibt sie einen Herzschlag länger.

Sie sitzt gern in Ellis Haarspange. Manchmal knabbert sie dort an winzigen Krümeln von Zimtschnecken, die niemand sonst bemerkt.

Das Licht im Herzhaus brennt oft länger als in den anderen Häusern.

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