Da stehe ich nun.
In diesem Badezimmer, das nicht meines ist.
Vor der Dusche, die mich seit Wochen erträgt.
Geduldig, still, professionell. Bis heute.
Beim Einschalten macht sie ein Geräusch, das definitiv nicht im Benutzerhandbuch steht. Ein Krkrrrch, ein Glubb, ein Prttt. Ich ignoriere es. Wie jede vernünftige Person, die sich weigert zu glauben, dass ihr Badezimmer gerade eine eigene Persönlichkeit entwickelt. Ich drücke die Handbrause. Wasser kommt. Und dann, ohne Vorwarnung, schießt aus einem verdächtigen kleinen Loch an der Seite ein Hochdruckstrahl Wasser mit der Zielsicherheit eines wütenden Gartenschlauchs über die Duschwand direkt in das Badezimmer. Ich erstarre.
Die Gefühle nicht. „Nein“, sagt Ville ohne Zögern. „Das ist ein Angriff.“ Gnista niest kleine Funken, die sofort verdampfen. „Das ist Wasser auf dem Boden“, kreischt Emil. „Auf dem Boden! Frei laufendes Wasser! Unbeaufsichtigt! Das gehört da nicht hin!“ „Ich ertrinke!“, ruft Ren panisch und rudert, obwohl er ein Wassertier ist. Kjell klappt sein inneres Notizbuch auf. „Regelbruch. Wasser gehört hinter die Wand. Wir brauchen sofort Maßnahmen.“
„Wir sterben“, sagt Pør. „Nicht sofort. Aber gleich. Ein Ausrutscher. Ein Bericht. Eine Schlagzeile.“ Ihr Igel Taggsi klammert sich an sie. „Was, wenn jemand reinkommt?“, flüstert Sivi. „Was, wenn jemand denkt, ich hätte die Dusche absichtlich gegen die Wand gehalten?“ Snusa rollt sich zusammen und ist plötzlich sehr klein. „Wir brauchen einen Plan!“, ruft Lotte. „Einen richtigen! Mit Übersicht! Und Farben!“ „Wasser Marsch“, schnattert Kvakka.
Es ist laut. Innen. Hoch oben räuspert sich Herr Professor van Knotenig. Er schiebt seine Brille zurecht. Der kleine Holzwurm Snorre lugt aus der Brusttasche seines Jacketts und nagt interessiert an der Ecke des Klemmbretts. „Statistisch gesehen“, sagt der Professor, „kommt es in 73,4 Prozent aller Duschvorfälle dieser Art, zu einem kurzfristigen Kontrollverlust.“ „Ich habe gerade langfristig keinen Überblick!“, ruft Lotte. Der Professor blättert. „In 62 Prozent dieser Fälle“, fährt der Professor fort, „hilft ruhiges Atmen.“ In diesem Moment schießt ein weiterer Wasserstrahl quer durch den Raum. Pffft. „… theoretisch“, ergänzt der Professor leiser und macht sich eine Notiz. Snorre duckt sich.
Ich drehe den Duschkopf hin und her. Der Wasserstrahl folgt mir durch das Bad. Hartnäckig. „Nicht ins Gesicht!“, ruft jemand. Wahrscheinlich ich. Die Dusche hat genug. Ich auch. Ich schalte sie aus. Stille. Wasser tropft beleidigt auf den Boden.
Ich hole einen Lappen. Natürlich. „Das war peinlich“, murmelt Sivi. „Sind wir tot?“, fragt Pør vorsichtig. „Noch nicht“, sagt Mats. Aus dem Flusshaus hört man irgendwo noch Wasser platschen. Ville lehnt im Türrahmen und sieht aus, als hätte er persönlich Streit mit der Dusche. Herr Professor van Knotenig klappt sein Klemmbrett zu. „Statistisch gesehen“, sagt er, „war das wahrscheinlich nur ein normaler Dienstag.“ Snorre nagt nachdenklich an der Ecke des Tührrahmens. Ich lehne mich gegen das Waschbecken und atme aus.
Frau Elli ist einfach da. „Ihr seid heute ganz schön laut gewesen“, sagt sie. Niemand widerspricht. Vor Pørs Haus brennt schon Licht. Irgendwo ruft Lotte noch „Plan!“ Und zum ersten Mal muss ich ein bisschen lachen.